Wo es beim Handel mit China harzt

Trotz Freihandelsabkommen: Umwege über die EU verteuern das China-Geschäft. Ein Unternehmer glaubt, die Lösung gefunden zu haben.

Heute ist es zum Spitzentreffen gekommen: Chinas Präsident Xi Jingping hat Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in Peking empfangen. Der Wirtschaftsminister will bei seinem Besuch in China auch die Umsetzung des Freihandelsabkommens thematisieren, das vor der Einführung grosse Erwartungen geschürt hat.

Seit fast zwei Jahren ist das Freihandelsabkommen nun in Kraft. Aus den grossen Erwartungen wurde bei vielen Firmen Ernüchterung. Das zeigt eine Studie der Schweizerisch-Chinesischen Handelskammer Swisscham. Sie hat Ende des vergangenen Jahres bei 91 Firmen nachgefragt, was das Abkommen für sie gebracht habe. Das Resultat: Neun von zehn spüren keinen positiven Effekt durch das Freihandelsabkommen. Zwei von drei Firmen verzichten sogar darauf, das Abkommen wegen des bürokratischen Aufwandes anzuwenden.

Logistik wurde teurer

Felix Sutter, Präsident der Handelskammer Schweiz-China, sagte gegenüber SRF, dass man sich in einer «Honeymoon-Phase» befinde. Das Abkommen brauche Zeit und Erfahrung. Jenes mit der EU bestehe schon 30 Jahre. Hätten die Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren die gleichen Erfahrungen sammeln können wie in den 30 Jahren mit der EU, wüssten sie auch besser, wie man es anwendet, so Sutter.

Wie solche Anfangsschwierigkeiten aussehen, beschreibt Urs Berner, CEO des nach China exportierenden Werkzeugherstellers Urma. Vom Freihandelsabkommen profitiere seine Firma nur, wenn sie durch wegfallende Zölle die Marge verbessern könne. Doch derzeit gebe es noch Probleme mit der Logistik. Nämlich dann, wenn Produkte nicht direkt von der Schweiz nach China gelangen, sondern auf Umwegen über sogenannte Drittstaaten, so Berner. Das heisst, wenn der Lieferant beispielsweise in Rotterdam oder Amsterdam einen Zwischenhalt macht. «Dann sieht es für die Chinesen so aus, als würde die Ware aus der EU kommen», so Berner.

Berner sagt, dass Urma deswegen die Logistikprozesse anpassen musste, was zu höheren Kosten führte und den Margenvorteil durch die wegfallenden Zölle schwinden liess. Man müsse nun ein «Fine-Tuning» vornehmen. Einen Lösungsansatz stellt Berner in Aussicht: «Es braucht Branchenlösungen.» Mit dem Wirtschaftsverband Swissmem, in dessen Vorstand Berner ist, will er zusammen mit den anderen Werkzeugherstellern zusammenspannen und so bessere Logistik-Konditionen aushandeln. Die Uhrenbranche habe das gut gelöst, so Berner.

Uhrenbranche profitiert

Tatsächlich gilt die Uhrenbranche als bislang grösster Profiteur des Freihandelsabkommens. Eine Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat berechnet, dass seit der Einführung die Uhrenexporteure 27 Millionen Franken an Zöllen eingespart haben. Berner rechnet damit, dass die Werkzeughersteller zügig in den kommenden Monaten eine Branchenlösung für die Logistik erarbeitet haben werden. «Es geht schliesslich ums Business», sagt Berner.

Der Startschwierigkeiten ist sich auch Bundespräsident Johann Schneider-Ammann bewusst. Nach seiner Ankunft am Donnerstag sagte er: «Wir haben erste Erfolge, es gibt aber auch Sand im Getriebe.» Er werde das eine oder andere an oberster Stelle anmelden. Diese Gelegenheit hat er heute Freitag, wenn er vom chinesischen Präsidenten empfangen wird. (DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 08.04.2016, 15:55 Uhr)

Leave a Reply