Verseuchter Zucker und gefärbte Oliven – Gefährlicher Lebensmittelskandal: Das müssen Sie jetzt wissen

Donnerstag, 31.03.2016, 13:02 · von FOCUS-Online-Redakteurin
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Europol warnt vor „hohen Gesundheitsrisiken für die ahnungslosen Verbraucher“. In Razzien kamen Lebensmittel wie mit Kunstdünger gestreckter Zucker und gefärbte Oliven zum Vorschein. Wie gefährlich sind sie? FOCUS Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

  • Im Sudan fanden Behörden fast neun Tonnen verseuchten Zucker.
  • Gestreckter Zucker ist womöglich auch in Deutschland im Umlauf.
  • Oliven wurden mit Kupfer-Sulfat-Lösung gefärbt.

Dünger im Zucker und giftige Stoffe in Oliven: Regelmäßig panschen und fälschen Verbrecher Lebensmittel. „Hinter dem globalen Lebensmittelhandel steckt mitunter kriminelle Energie. Um unsere Gesundheit zu schützen, steht der Verbraucherschutz vor neuen Herausforderungen“, sagt Silke Schwartau, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg.

In mehreren Razzien von Interpol und Europol zwischen November 2015 und Februar 2016 entlarvten die Behörden Lebensmittelfälscher und stellten 10.000 Tonnen Lebensmittel sicher. FOCUS Online liefert Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Lebensmittelskandal:

1. Ist in Deutschland tatsächlich mit Kunstdünger gestreckter Zucker im Umlauf?

Theoretisch ist es möglich, dass verseuchter Zucker in Backwaren, Süßigkeiten und in Getränken verarbeitet wurde. Denn laut einer EU-Verordnung muss die Industrie 15 Prozent ihres Zuckers aus Schwellenländern beziehen – auch aus dem Sudan.

„Als reinen Zucker werden Verbraucher diesen verseuchten Zucker kaum im Regal finden“, sagt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Denn in Deutschland beliefern die drei großen Händler Nordzucker, Südzucker und Pfeifer&Langen sowohl Supermärkte als aus Discounter.

Dass verseuchter Zucker in Deutschland tatsächlich verarbeitet wurde, hält Ernährungsexpertin Schwartau für „sehr unwahrscheinlich“. Denn wir haben ein Kontrollsystem mit vielen Instanzen. Auch Fertigprodukte werden von Prüfern der Lebensmittelsicherheit kontrolliert.

2. Wie kann ich Produkte erkennen, die ihn verarbeitet haben?

Da bisher nicht bekannt ist, um welchen Kunstdünger es sich handelt, lässt sich die Gesundheitsgefahr schlecht einschätzen, erläutert Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Erkennen lässt sich auf der Verpackung leider nicht, woher der darin verarbeitete Zucker kommt.

„Es ist leider ein riesiges Problem, dass der Verbraucher nicht wissen kann, woher die Rohstoffe im Essen stammen“, kritisiert auch Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Hier sei unbedingt mehr Transparenz erforderlich.

Außerdem sei es notwendig, dass die Risiken kommuniziert werden. Nach den Entdeckungen von Europol und Interpol müssten jetzt alle wissen, welche Firmen dahinter stecken und wohin die Produkte verkauft werden sollten.

Video: Das passiert in Ihrem Gehirn, wenn Sie plötzlich auf Zucker verzichten

3. Wie gefährlich ist Kupfer-Sulfat-Lösung in Oliven?

Nirgendwo werde so viel gefälscht wie bei Olivenöl und Oliven, ist sich Schwartau sicher: „Die Färbung mit Kupfer-Sulfat-Lösung ist ein gängiges Verfahren.“ Wie schädlich es ist, solche Oliven zu essen, hängt davon ab, wie hoch die Konzentration des Gifts in der Frucht ist. Grundsätzlich kann Kupfer-Sulfat-Lösung die Augen reizen und Magen-Darm-Probleme verursachen.

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4. Wer kontrolliert, ob Lebensmittel unsere Gesundheit gefährden?

Hier in Deutschland sind viele Stellen beteiligt:

  • Importkontrollen und Eingangskontrollen in den Handelshäfen überwachen die Waren, die nach Deutschland eingeführt werden.
  • Die staatliche Lebensmittelkontrolle betrachtet vor allem rohe Produkte wie Fleischwaren kritisch.
  • Das Europäische Schnellwarnsystems für Lebensmittel und Futtermittel (Rapid Alert System for Food and Feed, kurz RASFF) meldet Lebensmittel, Futtermittel und Lebensmittelbedarfsgegenstände, von denen ein Gesundheitsrisiko ausgeht.

Zudem gibt es

  • Rohstoffkontrollen in Firmen
  • Qualitätskontrollen in Supermärkten
  • Unabhängige Instanzen wie Stiftung Warentest, Ökotest

5. Was kann ich tun, wenn ich mir nicht sicher bin, ob ein Produkt meine Gesundheit gefährdet?

Ob gefärbte Oliven, gepanschter Wein oder gestreckter Zucker: Jeder Verbraucher kann sich direkt an die Lebensmittelüberwachung wenden. Dort haben Experten die labortechnischen Möglichkeiten, um festzustellen, ob Produkte mit Kunstdünger verseuchten Zucker enthalten.

Sobald in Deutschland Lebensmittel entdeckt werden, die die Gesundheit der Menschen gefährden, werden diese auf der staatlichen Website Lebensmittelwarnung.de veröffentlicht.

Video: Die Wahrheit über Billig-Eier

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