S-Bürger kommen bei Bio auf den Geschmack

Wien, 16. August 2016 (aiz.info). – In den USA ist Bio der am schnellsten wachsende Sektor in der Lebensmittelindustrie. Die Nachfrage nach Bioprodukten ist dort seit 1990 fast jedes Jahr im zweistelligen Bereich gewachsen. Der Umsatz mit Biowaren ist von 3,6 Mrd. USD (3,22 Mrd. Euro) im Jahr 1997 auf 43,3 Mrd. USD. (38,73 Mrd. Euro) im Jahr 2015 geklettert. Und aller Voraussicht nach könnte es weiter steil bergauf gehen, erläuterten US-Experten der amerikanischen Biobranche während eines Seminars zum US-EU-Handel mit Bioprodukten kürzlich in der Residenz der US-Botschaft in Wien. Knapp 5% der Frischeprodukte im US-Lebensmittelhandel werden derzeit in Bioqualität gekauft. Flächenmäßig beträgt der biologisch bewirtschaftete Anteil an der gesamten US-Anbaufläche aktuell weniger als 1%. In Österreich betragen die Anteile rund 7 bzw. 20%.

“In den USA sind die Konsumenten zunehmend daran interessiert, woher das Essen kommt und sie äußern den Wunsch nach mehr Transparenz in der Lebensmittelkette”, erklärte Monique Marez, Associate Director des US-Biodachverbandes Organic Trade Association (OTA). Der Biotrend würde besonders von den “Millenials”- einer Generation, die nach Selbstverwirklichung strebt – in den städtischen Ballungszentren vorangetrieben.

“Nach den Ergebnissen der US-Marktforschung SPINS greifen bereits 75% der Privathaushalte in den USA zu biologischen Erzeugnissen. So wurde 2015 der jemals größte Gewinn in der Bio-Branche mit einem Umsatzzuwachs von 4,2 Mrd. USD (3,76 Mrd. Euro) gegenüber 3,9 Mrd. USD (3,49 Mrd. Euro) im Jahr 2014 erzielt. Die Wachstumsrate bei Bio lag mit 10,8% im Jahr 2015 deutlich über jener des gesamten US-Lebensmittelmarktes von 3,3%”, erläuterte Melody Meyer, Mitarbeiterin bei “United Natural Foods”.

Bio-Hotspots steigern das Einkommen und verringern die Armut

In einer Studie der Penn State University wurden 225 US-Landkreise als Bio-Hotspots identifiziert. Darunter werden Gebiete mit einem hohen Anteil an Biolandwirtschaft verstanden, die wiederum von Bio-affinen Landkreisen umgeben sind. “Ein solcher biologisch-wirtschaftlicher Hotspot steigert das durchschnittliche Haushaltseinkommen um mehr als 2.000 USD und verringert die Armutsrate um 1,35%, was höheren Raten gegenüber der allgemeinen landwirtschaftlichen Aktivität sowie dem nationalen Schwerpunktprogramm zur Armutsbekämpfung entspricht”, verdeutlichte Marez. Zur Bildung eines derartigen Hotspots seien Öffentlichkeitsarbeit und Information etwa durch die Bio-Zertifizierungsstellen von entscheidender Bedeutung.

Haas: Österreichischer Biosektor hat Potenzial nach oben

Rainer Haas, Ao. Univ.-Prof. an der Universität für Bodenkultur Wien für Marketing und Innovation, sieht in Österreich im Biosektor noch Raum nach oben. “Die Österreicher und die Europäer insgesamt identifizieren sich über die Lebensmittel, die sie zu sich nehmen. Sie wollen ein gutes Gefühl beim Einkaufen haben und greifen, soweit möglich, zu heimischen Produkten”, weiß Haas. Allerdings sei künftig Bio alleine nicht genug, sondern der regionale Aspekt trete immer mehr in den Vordergrund. “Regional wird das neue Bio werden”, so Haas. Für die Zukunft erwartet der Boku-Professor die Entwicklung eines Premium-Biosektors in Kombination mit Regionalität und Fair-Trade sowie einen Massen-Biomarkt mit Produkten, die hierzulande nicht wachsen wie etwa Bananen oder Kaffee. Zusammen mit dem Fair-Trade-Aspekt sei Letzteres ein stark wachsender Markt, führte Haas aus.

Biowein aus Österreich ist beliebt

Das wichtigste Bio-Importgut aus Österreich in die USA ist Weißwein. Weltweit führen die Vereinigten Staaten wertmäßig am meisten Bio-Kaffee ein, gefolgt von Sojabohnen und Bananen. Bei den wertmäßig weltweiten Bio-Exporten aus der USA stehen frische Äpfel an erster Stelle – Trauben und grüner Salat rangieren mit deutlichem Abstand dahinter. Aktuell hat die USA mit fünf Ländern Handelsabkommen, mit denen die jeweils andere Bio-Zertifizierung als gleichwertig anerkannt wird – sogenannte “organic equivalency arrangements” – abgeschlossen. Erst 2015 wurde ein solches mit der Schweiz vereinbart und weitere Abkommen bestehen mit Kanada (seit 2009), der EU (2012), Japan (2014) und Südkorea (2014).

“Die Handelsabkommen ermöglichen, das Waren zu den Bio-Standards des anderen Landes produziert, verarbeitet und zertifiziert werden können, um diese als Bioprodukte in beiden Ländern zu vermarkten”, erläuterte Bob Anderson, Fachberater bei der Organic Trade Association (OTA). Laut Anderson sei der Handel mit Bioprodukten aufgrund dieser Äquivalenz-Abkommen in Kanada um 20%, in der EU um 44% und in der USA um 20% nach oben geklettert.

Jim Wedeberg, Direktor der Genossenschaft “Organic Valley”, ist vor allem bemüht, dass die Landwirte einen guten Preis für ihre Bioprodukte bekommen. “Profit alleine ist aber nicht alles”, betonte Wedeberg und verwies auf entsprechende Marketingkonzepte, die unter anderem die wirtschaftliche Stabilität der Mitgliederbetriebe nachhaltig garantieren sollen, um sie für die nächsten Generationen zu sichern. “Es geht genauso um die Menschen und unseren Planeten”, sagte der Direktor von “Organic Valley”, die 1988 gegründet wurde und Produkte in derzeit 22 Ländern vertreibt. Der Umsatz sei in den vergangenen zehn Jahren stetig gewachsen, betonte Wedeberg nicht ohne Stolz. (Schluss) hub

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