EU-Kommission modernisiert europäische Normungspolitik

Amsterdam/Wien (OTS) Austrian Standards hat gestern in Amsterdam gemeinsam mit Vertretern der Europäischen Kommission, der EU- und EFTA-Staaten, von europäischen und nationalen Normungsorganisationen, europäischen Wirtschaftsverbänden inklusive der Klein- und Mittelbetriebe, von Gewerkschaften und Verbraucherorganisationen die „Joint Initiative on Standardisation“ JIS unterzeichnet. Ziel der Modernisierung der EU-Normungspolitik ist es, die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas zu erhöhen und EU-Institutionen und die Normungsgemeinschaft zu noch engeren Partnern zu machen.

Die Europäische Kommission hat Anfang Juni 2016 eine in der Binnenmarktstrategie angekündigte Mitteilung angenommen, mit der sichergestellt werden soll, dass Europas Wirtschaft Standards optimal nutzen kann und gleichzeitig Dreh- und Angelpunkt in der weltweiten Standardisierung bleibt. Vizedirektor Wolfgang Steigenberger von Austrian Standards sagte nach der Unterzeichnung: „Standards spielen für die Wettbewerbsfähigkeit Europas und Österreichs eine zentrale Rolle. Das wird mit dieser Initiative besonders deutlich. Österreich ist ein in der Standardisierung führendes Land. Es geht darum, die heimischen Interessen bestmöglich zu vertreten.“

„Mit unseren Standards Maßstäbe für andere setzen“

Der für Arbeitsplätze, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Jyrki Katainen, erklärte hierzu: „Wenn Europa davon profitieren soll, dass wir mit unseren Standards Maßstäbe für andere setzen, müssen wir rasch handeln und die Festlegung von Standards priorisieren. Mit dem Normungspaket leisten wir einen Beitrag dazu, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und Innovation zu fördern. Gleichzeitig schaffen wir einen berechenbaren und belastbaren Investitionsrahmen in der EU.“

Elzbieta Bienkowska, Kommissarin für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU, ergänzte: „Die Gemeinsame Normungsinitiative bringt öffentliche und private Organisationen an einen Tisch, damit sie in einem kooperativen, transparenten und flexiblen Dialog sicherstellen, dass zeitnahe, dem Stand der Technik entsprechende Standards entwickelt werden, die dem sich rasch ändernden Bedarf von Markt und Politik gerecht werden.“

Standards werden oft unter einem rein technischen Blickwinkel betrachtet, dabei gehen von ihnen wichtige Impulse für die Wirtschaft aus. In der aktuellen Mitteilung legt die Kommission eine Vision für eine einheitliche und kohärente EU-Normungspolitik dar. Sie soll künftig einen höheren politischen Stellenwert erhalten, ihre Schwerpunkte sollen regelmäßig mit dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten erörtert werden.

Diese Partner werden sich dazu verpflichten, die Erarbeitung von Standards bis Ende 2019 moderner zu gestalten, nach Schwerpunkten zu bündeln und zu beschleunigen, damit sie zeitnah vorliegen. Die JIS wird dazu beitragen, die Prioritäten bei der Entwicklung von Standards stärker an den Forschungs- und Innovationstrends auszurichten, wofür Unterstützung aus dem EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 bereit steht. Es soll auch die Nutzung Europäischer Standards auf internationaler Ebene gefördert werden.

Priorität für Dienstleistungs- und IKT-Standards

In dem für 2017 vorgeschlagenen Arbeitsprogramm für die europäische Normung werden die Dienstleistungs- und die IKT-Branche aufgrund ihrer sektorenübergreifenden Rolle in der Wirtschaft als prioritäre Bereiche für künftige Normungstätigkeiten genannt. Dienstleistungen machen 70 Prozent der EU-Wirtschaft aus, aber nur 2 Prozent aller Europäischen Standards betreffen den Dienstleistungssektor, was die Erbringung von Dienstleistungen im Ausland behindert. Zur Ergänzung weiterer im Rahmen der Binnenmarktstrategie vorgesehener Initiativen zur Förderung der Erbringung von Dienstleistungen im Ausland schlägt die Kommission vor, die gezielte Entwicklung von auf Freiwilligkeit beruhenden europäischen Dienstleistungsstandards vorrangig zu behandeln und zu fördern. Als Beispiel wird hier ein Standard mit einer einheitlichen Terminologie im Hotel- und Gastgewerbe genannt.

Hintergrund

Die jetzt konkret in Angriff genommene Modernisierung des Normungssystems wurde in der Binnenmarktstrategie
(http://europa.eu/rapid/press-release_IP-15-5909_en.htm) angekündigt.
Sie ergänzt die im April 2016 angenommene Mitteilung über Schwerpunkte der IKT-Normung für den digitalen Binnenmarkt.
(https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/news/communication-ict-standardisation-priorities-digital-single-market)

Weitere Informationen

Fact Sheet der EU-Kommission (MEMO/16/1963) – http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-16-1963_en.htm Mitteilung Europäische Normen für das 21. Jahrhundert – http://ec.europa.eu/DocsRoom/documents/16822 Leitlinien für die Normung von Dienstleistungen – http://ec.europa.eu/DocsRoom/documents/16823 Bericht nach Artikel 24 und Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen mit REFIT-Bewertung – http://ec.europa.eu/DocsRoom/documents/16824 Jährliches Arbeitsprogramm 2017 der EU für die europäische Normung – http://ec.europa.eu/DocsRoom/documents/16826

Ztwl.: Über Austrian Standards

Standards sind Normen und Regelwerke. Sie dienen dem Wohl und der Sicherheit aller, machen das Leben einfacher und sorgen dafür, dass eins verlässlich zum anderen passt. Standards stehen für Qualität und damit für Vertrauen in Produkte und Leistungen. Austrian Standards stellt seit 1920 als unabhängige und neutrale Plattform einen transparenten Normungsprozess in Österreich sicher.

Als das österreichische Mitglied von CEN, dem Europäischen Komitee für Normung, und ISO, der Internationalen Organisation für Normung, ermöglicht Austrian Standards allen, Normen mitzugestalten und macht Standards als sinnvolles, international anerkanntes Fachwissen leicht zugänglich und anwendbar. Austrian Standards beschäftigt 113 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Standards sorgen in Österreich für ein Mehr an innovativer Wirtschaftsleistung in Höhe von rund 2,5 Mrd. Euro pro Jahr. www.austrian-standards.at

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